Gestern war ich wählen. Natürlich nur auf Bezirksebene. Ohne deutschen Pass geht ja nix. Egal. Die CDU wurde auch ohne mich abgestraft. Und eine Frau mit türkischen Wurzeln hat gewonnen. Das finde ich schon ziemlich gut. Ob sie das schaffen wird mit der Vergesellschaftung der Wohnungen ist eine andere Frage. Aber Symbolwirkung hat es schon mal. Dass die CDU aus dem Landtag in Meck-Pomm geflogen ist, hat die alte Schadenfreude hervorgerufen. Aber der Depp im Kanzleramt wird sie alle mit in den Abgrund ziehen. Einsicht ist eine Charakterstärke, die nicht viele besitzen.
Mein Vater hüpft ständig zwischen meine Gedanken. Ich vermisse den alten Haudegen.
Vorgestern habe ich Kapitel 22 abgeschlossen. Bald habe ich es geschafft. Ich kann auch nicht mehr, bin echt k.o. Als Ansporn habe ich mir für Anfang November einen kurzen Urlaub gebucht. Nach Sizilien. Allein. Also alles beim Alten. Wenn ich den Roman bis dahin nicht geschafft habe, fliege ich nicht. Just kidding. Aber in meinem heutigen Leben ist es definitiv mein größtes Ziel. Nur so kann ich mich noch motivieren für diesen Roman. Stattdessen habe ich so viele neue Ideen.
Am Dienstag war das Gesundheitsamt bei mir. Eine furchtbar nette Sozialpädagogin sollte sich meine Wohnung anschauen und entscheiden, ob ich auch ohne Untervermieter, sprich Mitbewohner, dort wohnen bleiben darf, obwohl die Miete über dem normalen Satz für Sozialhilfe liegt. Das war sehr stressig für mich, bis der Termin rum war. Auch wenn ich wusste, dass sie nett sein würde, da sie schon am Telefon extrem zuvorkommend war, hatte ich Panik, sie könne es sich anders überlegen. Meine Existenz hängt zum Großteil von dieser Wohnung ab. Eine Woche vor dem Termin hatte ich dann einen Hexenschuss. War echt schlimm. Fünf Tage später bekam ich einen Termin beim Osteopathen/Chiropraktiker, der mich wieder einrenkte und den Stress rausmassierte. Boy, hat das weh getan und geknackst.
Ich habe endlich mal wieder ein Buch fertig gelesen. Nach zwei Monaten. Barbara Kingsolvers Demon Copperhead, eine intertextuelle amerikanische Neuversion von Dickens' David Copperfield. Hab die Vorlage nie gelesen, obwohl seine Bücher ja eigentlich die ersten Zeugnisse der angelsächsischen Arbeiterklasse waren. Gleichzeitig kann ich mir nicht vorstellen, dass Charles Dickens wirklich aus der Gosse kam und von seinen Eltern vermöbelt wurde oder seine Mutter eine Kaffee-und-Zigaretten-Frau war. Egal, nicht so wichtig. Jedenfalls fand ich Demon Copperhead am Anfang noch sehr spannend und toll geschrieben, weil so abgefahren slangy und dirty und unkonventionell. Aber irgendwann kommt dann doch die moralische Keule durch, so typisch für US-Amerikaner:innen, die denken, sie müssten sich für die armen Leute einsetzen, statt sie für sich selbst reden zu lassen. Die Frau hat den Pulitzer gewonnen. Mein Fazit: scheiße! Zeitverschwendung.
Meine Freundinnen von der Unizeit in Mainz waren wieder da. Schon wieder ist ein Jahr rum und ich bin immer noch nicht fertig mit dem Buch. Beim letzten Mal war ich allerdings noch nicht mal mit der Erstfassung fertig. Also immerhin. Es war ein schöner Tag. Wir waren gemeinsam in der Neuen Nationalgalerie und haben Cattelan gesehen. Hat mir sehr gut gefallen. In vielen Skulpturen ist er selbst in Miniatur zu sehen. Scary. Erinnert mich an Nathan Fiedler von THE REHEARSAL. Wer das nicht kennt, dem kann ich es nur empfehlen. Absolut sehenswerte Reality-Serie. Zurück zu Cattelan. Das Herzstück ist der kniende Junge mitten im großen Raum oben. Man nähert sich von hinten. Plötzlich erkennt man, dass es Adolf Hitler ist, der im Schuljungenanzug die Hände faltet und von unten nach oben blickt, dir genau in die Augen, fast flehentlich. Krasser Effekt.
Dabei dachte ich wieder mal an die Wichser, die uns das Leben schwer machen wollen. Ich wünsche mir, dass alle von der AfD, inklusive Wähler:innen an ihrer eigenen Kotze krepieren. Möget ihr alle in Dantes Inferno schmoren und als Eintagsfliegen wiedergeboren werden.
Forza Elif!
Vic Mancini

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