Donnerstag, 29. Januar 2026

1.440 Minuten Schrott und ein Scheibenwischer im Kopf

Ein rot-schwarzes Plakat der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit der Aufschrift „IRGEND ETWAS IST PASSIERT“. Die schwarzen Buchstaben sind in einer verzerrten, wellenartigen Typografie gesetzt, die einen leicht hypnotischen und unruhigen Effekt erzeugt.

Ich habe seit meinem letzten Eintrag ein paar interessante Dinge erlebt, von denen ich euch erzählen möchte.

THE CLOCK:
Ich war in der Neuen Nationalgalerie und habe mir THE CLOCK angesehen – also dreizehn Minuten davon. Wer das nicht kennt: Es ist ein Kunstprojekt, ein 24-stündiger Film mit 1.440 Minuten Filmmaterial, bei dem man eine Szene nach der anderen sieht, die die tatsächliche Uhrzeit mit Filmsequenzen der entsprechenden Uhrzeit zeigt. Beispiel: Man ist um 14:13 Uhr im Museum. Dann zeigt der Film Filmszenen mit Uhren, die 14:13 Uhr abbilden. Um 17 Uhr, okay, easy. Aber nachts um 3:43 Uhr? Schon krass.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Durchhalten ist scheiße!

Sonnenuntergang am Alexanderplatz in Berlin: Blick entlang der Straßenbahnschienen, die auf die tief stehende Sonne zulaufen. Menschen überqueren den Platz zu Fuß, einige mit Kinderwagen oder Taschen. Im Hintergrund stehen Bürogebäude, rechts ragt der Fernsehturm Berlin in den Himmel. Kaltes Winterlicht, lange Schatten auf dem Asphalt.

Vor 401 Tagen begann meine neue Reise. In diesem Moment, in der Klinik, wurde alles dunkel. Vor 76 Tagen begann ich, wieder Licht zu sehen. Es gab Leute, die mir sagten, ich solle den Ball flach halten. Ihnen sei es auch schon oft so ergangen: gute Phasen, Hoffnung, und ein paar Wochen später wieder dieselbe düstere Grundstimmung. Wie hätte ich ihnen erklären sollen, dass das bei mir kein temporärer Zustand ist.

Freitag, 16. Januar 2026

Das Leben steckt im Detail

Ein bunt angerichteter Salatteller mit grüner Basis, Tomaten, Gurken, Feta, Walnüssen und Avocado, getoppt mit in der Pfanne gebratener Roter Bete und Kohlrabi.

Entschuldigt bitte! Ich habe mich so lange nicht gemeldet. Nicht, weil etwas passiert ist. Ich bin nur im absoluten Arbeitswahn: Die Überarbeitung des Romans läuft auf Hochtouren. Es gibt noch unglaublich viel zu tun, bis er zum ersten Mal in die Hände von Testleser:innen gelegt werden kann.

Montag, 5. Januar 2026

Napoleon Varga

Satirische Illustration eines anthropomorphen Schweins im Business-Anzug, das Ähnlichkeit mit Donald Trump aufweist. Die Figur hat hellblondes Haar, eine markante Schweinenase, spitze Schweineohren und hält eine brennende Zigarre im Mundwinkel. Der Gesichtsausdruck ist grimmig und herrisch, der Hintergrund dunkel und schattig.
 

Heute schreibe ich über etwas, das nichts mit meiner Krankheit zu tun hat. Es hat höchstens mit meinem neu gewonnenen Stoizismus zu tun. Ich teile diesen Gedanken, der mich beschäftigt, ohne dass er mich aus dem Gleichgewicht zu bringen vermag.

Samstag, 3. Januar 2026

Scheiße begraben, nach vorne blasen

Blick in die große Haupthalle des Hamburger Bahnhofs mit hoher Stahlträger-Decke. In der Mitte stehen mehrere monumentale, organisch geformte Skulpturen aus grobem, erd- und fellartigem Material, die wie massive Baumstämme oder Höhlen wirken. In die Oberflächen sind reliefartige, körperähnliche Formen eingelassen. Besucherinnen und Besucher bewegen sich zwischen den Skulpturen und geben einen Eindruck von deren Größe.

Heute Morgen las ich meine WhatsApp-Nachrichten. Eine war von meinem Freund D. aus Australien. Er sagte, ich hätte ihm genau vor einem Jahr geschrieben, dass wir uns womöglich nicht mehr sehen würden, wenn ich es nicht noch einmal nach Melbourne schaffe. Die Nachricht damals habe ihn erschüttert. Er weinte und betrank sich maßlos an dem Abend.

© Vic Mancini on Death Row
Maira Gall