Montag, 5. Januar 2026

Napoleon Varga

Satirische Illustration eines anthropomorphen Schweins im Business-Anzug, das Ähnlichkeit mit Donald Trump aufweist. Die Figur hat hellblondes Haar, eine markante Schweinenase, spitze Schweineohren und hält eine brennende Zigarre im Mundwinkel. Der Gesichtsausdruck ist grimmig und herrisch, der Hintergrund dunkel und schattig.
 

Heute schreibe ich über etwas, das nichts mit meiner Krankheit zu tun hat. Es hat höchstens mit meinem neu gewonnenen Stoizismus zu tun. Ich teile diesen Gedanken, der mich beschäftigt, ohne dass er mich aus dem Gleichgewicht zu bringen vermag.

Neulich habe ich wieder Animal Farm gelesen – besser gesagt: mir vorlesen lassen. Von David Thewlis. Seine Stimme ist hervorragend. Vielleicht kennt ihr ihn als V. M. Varga aus der dritten Staffel von Fargo. Oder als Remus Lupin aus Harry Potter. Für mich bleibt er Varga.

In den vergangenen Tagen musste ich zwangsläufig an Napoleon denken. Das Schwein, das sich zunächst als Revolutionär gibt und am Ende mithilfe seiner Hunde alle unterdrückt. Aus "All animals are equal" wird schließlich das Credo: "Some animals are more equal than others."

Und damit war ich wieder bei V. M. Varga. Für mich eine der verstörendsten Figuren der gesamten Serie. Eine Fiktion, die längst von der Realität eingeholt wurde. Was bei ihm noch überzeichnet wirkt, ist heute Alltag in Politik und Wirtschaft.

Versteht mich nicht falsch: Ich glaube, dass Venezuela langfristig davon profitieren wird, dass das Regime entmachtet wurde. Aber die Dreistigkeit, mit der Regeln, Institutionen und Verfahren ignoriert werden, ließ mich sofort an Varga denken.

Er ist übrigens der einzige Charakter der Serie, der den einleitenden Satz jeder Folge offen verhöhnt:
„This is a true story.“

Varga sagt stattdessen: 

"The problem is not that there is no truth. The problem is that there are too many truths."

Und später: "Truth is what I say it is."

Wenn das keine präzise Fiktivierung unserer Gegenwart ist.

Das Säbelrasseln der Supermächte hat gerade erst begonnen. Kauft euch Ohropax, falls es zu laut wird. Falls die Couch zu unbequem ist, kauft euch eine neue. Dann zurücklehnen und die Show genießen.

In der Zwischenzeit: lest Animal Farm.
Schaut Fargo. Alle Staffeln, aber vor allem die dritte.

Dann seht ihr ihn, den großartigen, ekelerregenden David Thewlis. V.M. Varga: die Personifizierung des Spätkapitalismus. Ein empathieloser Milliardär, der Economy fliegt. Sein körperlicher Verfall ein Spiegel moralischer Fäulnis. Seine Bulimie ist absoluter Kontrollzwang. Er ist ein Parasit, der kein Geld will, sondern Abhängigkeit. Er redet leise, höflich, endlos. Sprache wird zum Werkzeug der Ermüdung.

Großartiges Fernsehen. Gute Ablenkung von dem, was gerade sonstwo passiert. Bei mir funktioniert's. Auch als Ablenkung vom Krebs.

V. M. Mancini

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© Vic Mancini on Death Row
Maira Gall