Abschied
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Mittwoch, 28. Oktober 2026

Mein Freund von der Insel

Erwachsene und Kinder bauen mit Holzklötzen Mauern und Türme in der großen Halle des Hamburger Bahnhofs. Lose Klötze liegen zwischen den Konstruktionen unter hohen Stahlbögen und verglasten Dachfenstern.

Ein Augenaufschlag. So lange dauert es. Dann ist es gefühlt wieder vorbei. Aber wir haben die Zeit genutzt, wie ich finde. Ich habe zumindest jede Minute genossen. Die Rede ist von meinem Besuch aus Sardinien. Mein alter Weggefährte aus dem ersten Jahr in Australien, mein Kompagnon bei der Gründung von speakeasy sprachzeug, unserer gemeinsamen Sprachschule in Berlin. Bis er die Stadt verließ, um im Mittelmeer eine Familie zu gründen.

Montag, 3. August 2026

Tiriamo avanti

Ein Selfie aus dem Krankenhauszimmer, aufgenommen aus einem hohen Winkel. Im Vordergrund lächelt der Autor, ein Mann mit Bart und Strohhut, leicht in die Kamera. Hinter ihm liegt sein älterer, kahlköpfiger Vater in einem gestreiften Kissen, trägt ein Krankenhaushemd und eine Nasenbrille zur Sauerstoffversorgung. Im Hintergrund sind medizinische Geräte und Anschlüsse an der Wand zu sehen.

Mein Dad ist gestern gestorben. Am Nachmittag hatte ich ihn noch gesehen und mich von ihm verabschiedet – mehr in Gedanken als in versöhnlicher Aussprache. Ist auch schwer, wenn die anderen Familienmitglieder dabei sitzen. Ob er was davon mitbekommen hat, kann ich nicht sagen. Man bildet sich ja gern was dazu ein. Immerhin war da der Morphium-Schleier. Und, vor allem anderen, der Tumor in seinem Kopf, der sein Hirngewebe zerstörte. Durch Osmose hatte sich um ihn herum ein gewaltiges Ödem gebildet. Osmose. Schon in der Schule war sie mir ein Graus.

© Vic Mancini on Death Row
Maira Gall