Mein Dad liegt in Quarantäne. Warum, weiß ich nicht. Meine Mutter kann es mir nicht erklären. Und mit meinem Bruder spreche ich nicht. Womöglich stirbt er, bevor ich ihn noch mal sehen kann. Ich weiß nicht, ob ich ihn sehen kann, weil ich nicht weiß, ob es gefährlich ist für ihn. Oder für mich. Das stresst mich. Stress gilt es ja zu vermeiden...
Das war der Anfang meines Blogeintrags Anfang der Woche. Dann war wieder alles anders und ich konnte mich nicht überwinden, weiter zu schreiben. Seit Mittwoch bin ich hier bei meiner Familie. Jetzt gerade ist Freitag, acht Minuten vor Samstag. Vor ungefähr sechs Stunden hat die Familie einstimmig beschlossen, dem Wunsch meines Vaters in seiner Patientenverfügung Folge zu leisten und die lebenserhaltenden Maßnahmen abzustellen. Er bekommt nun Morphium. Bis er stirbt.
Ich raffe es noch nicht ganz. Ich habe ihn heute Nachmittag noch gesehen. Ob er mich noch verstanden hat, weiß ich nicht. Das Letzte, was er gemacht hat, war mir den Stinkefinger zu zeigen. Wieso, weiß ich nicht. Vielleicht hat er meine humorvollen Bemerkungen als verstanden quittieren wollen. Ich sagte, dass wir zusammen ein Bier trinken, wenn er nach Hause kommt. Vielleicht fand er den Witz auch scheiße. Oder aber er hat gar nichts mitbekommen. Denn der Tumor hatte ihn die letzten Wochen vollends im Griff, fast die Hälfte seiner Hirnmasse aufgefressen. Trotzdem ein Scheißgefühl, wenn die letzte Kommunikation ein Leck-mich-am-Arsch-Mittelfinger war.
Fuck. My. Life.
Danach haben wir dauergeweint. So richtig angekommen ist es auch noch nicht. Vielleicht ist es soweit, wenn man uns Bescheid gibt, dass er tatsächlich nicht mehr atmet. Komisches Gefühl. Auch jetzt schon.
V. Mancini

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