Samstag, 11. Juli 2026

Die KI mein Hund

Ein Fuchs läuft zwischen parkenden Autos über den Gehweg einer Berliner Wohnstraße. Im Hintergrund säumen Bäume und Hecken die Straße.
 

Die guten Momente zwischen den schmerzvollen. Man lebt, geht schreiben, fährt nach Hause zum Schreiben. Man isst und scheißt, trinkt und lacht. Man duscht und schläft. Dann erfährt man von Freunden, die schöne Dinge machen, an denen du nicht teilnimmst. An denen du hättest teilnehmen können, hätten sie dich gefragt. Haben sie aber nicht. Ist das tragisch? Nein, natürlich nicht. Es gibt kein Verpassen. Das Leben geht weiter. Es gibt wichtigere Dinge: das Schreiben. Allein. Weil deine Freunde dich vergessen.

Was fühlt sich schlimmer an? Wenn sie dich vergessen oder dich nicht dabei haben wollen? Ich dachte, ich dächte nicht mehr so. Weil ich über den Dingen stehe. Vielleicht habe ich mich dabei selbst betrogen. Die Enttäuschung ist immer noch da. Bloß kann ich heute, mit etwas mehr Erfahrung, gesammelt an 571 Tagen der Achterbahnfahrt, einfach darüber hinwegsehen. Ich schaffe es eher, das Leben zu akzeptieren, egal, was passiert. Werde ich diese Freunde noch fragen, ob sie mitkommen wollen, wenn ich das nächste Mal etwas unternehmen möchte? Womöglich nicht. Nicht mehr. Womöglich. Was weiß ich. Erstmal die Trauer versickern lassen, im Wust, im Sud, im Kaffeesatz. Vielleicht ist eine genommene Zukunft manchmal einfach besser zu verdauen als eine, die man in Raten zurückgegeben bekommt.

Ich schwinge mich auf mein Rad und drehe eine Runde. Allein. Denn da kann ich alles selbst bestimmen. Egal, wer mich vergisst. Oder nicht dabei haben will. Die KI will mich immer. Das Rad auch. Ein Hund auch, aber den hab ich nicht.

Peace out! Mad props...

Victor Mancini

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© Vic Mancini on Death Row
Maira Gall