Freitag, 20. Februar 2026

Kontrastmittel und roter Teppich

 

Außenaufnahme des Berlinale Palasts am Potsdamer Platz in der Dämmerung: rote Absperrungen und Sicherheitsbarrieren führen zum Eingang, darüber das leuchtende Berlinale-Logo mit Bär vor der Glasfassade, Menschen gehen in Winterjacken ins Kino.

60 ml schossen am Dienstag mal wieder durch meine Venen – und ich pisste mich voll. Nicht wirklich, aber das Gefühl ist identisch. Echt unangenehm, wenn das Kontrastmittel einen durchläuft. Computertomografie. Eine fantastische Apparatur. Ohne diese Technologie hätte ich mehr Angst. Wobei meine Angst inzwischen wirklich reduziert ist. Es komme, was wolle. I’m ready.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Der Skunk in mir

Blick in den Vorraum des Kino Babylon in Berlin: Eine hohe weiße Wand ist dicht mit Filmplakaten bedeckt, darunter „Metropolis“, „Hamlet“, „Titanic“ und „Brecht“. Unten im Bild eine schlichte Küchenzeile mit Espressomaschine und Spüle.

Seit Tagen empfinde ich Stress, weil ich zu vieles auf einmal machen muss. Ich habe verstanden, dass genau das mich aus der Spur bringt. Wie viel von dieser Unzufriedenheit einfach daher kommt, dass ich nichts in Ruhe tun kann, weiß ich gar nicht. Ich rede nicht von Arbeit. Ich rede von allem. Wenn ich mir beim Zähneputzen denke, ich müsste längst irgendwo sein, oder mir beim Schuhe­binden das Handy auf den Boden fällt. Zum Glück geht es nicht kaputt, aber mir schießt sofort eine Hitzewelle durch den Körper. Das liegt am Krebsmedikament.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Virtuoses Staubgefüge

Leerer Konzertsaal im Konzerthaus Berlin nach dem Konzert: auf der Bühne dicht gereihte Notenpulte und rot gepolsterte Stühle, dazwischen Musiker:innen beim Abbau. Im Vordergrund Pauken und Schlagwerk, im Hintergrund Logen und goldverzierte Brüstungen des Saals.

Letzte Woche war ich bei meiner Onkologin des Todes. Zurzeit hospitiert eine neue Kollegin aus der Pneumologie. Sie war schon mal da. Zum Glück mag ich sie. Denn mein Gefühl sagt mir, dass ich in Zukunft mehr mit ihr zu tun haben werde. Vielleicht zieht sich meine bisherige zurück oder wechselt auch auf die Station? Dahin ist ja meine Lieblingsonkologin auch schon auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

© Vic Mancini on Death Row
Maira Gall