Montag, 6. Juli 2026

stecknadelgroß

Die weiße Kopfskulptur Echo von Jaume Plensa vor dem MKM Museum Küppersmühle in Duisburg.

weil wieder so viel zeit vergangen ist schreibe ich heute alles hintereinander in einer nachricht so wie es mir einfällt ohne punkt und komma nur weil ich das gefühl habe gar nicht mehr zu bloggen obwohl ich immer wieder an euch denke vor knapp zwei wochen am sonntag dem tag von der fete de la musique fand am abend ein anderes konzert im huxleys statt weshalb ich mir die fete sparen musste das konzert war unfassbar ich habe seit letztem jahr schon so manche gute acts gesehen wie nick cave und radiohead und the divine comedy aber das hat gefühlt nochmal alles getoppt aldous harding meine absolute lieblingskünstlerin seit jahren

die neuseeländerin macht nicht nur wunderschönen indie-pop mit einem eigenartigen minimalistischen sound nein sie hat diese ausstrahlung fernab jeglicher amerikanischer popallüren es ist erfrischend diese ausnahmekünstlerin auf der bühne zu erleben sie ist total unnahbar aber im positiven sinne kein wort zu viel gesprochen nicht laut vulgar primitiv sondern sich selbst bewusst inszenierend um den fokus gleichzeitig wieder nur auf die musik zurückzuwerfen ich kann es nicht besser beschreiben aber sie ist ein happening fast wie ein kultisches happening hahaha ich lache hier beim schreibtreff gerade laut vor mich hin weil ich mich in meiner euphorie nicht bremsen kann und dabei in der lächerlichkeit meiner worte selbst ertappe egal schaut sie euch an wann immer ihr die gelegenheit bekommt sie ist jeden cent wert

Die neuseeländische Musikerin Aldous Harding während ihres Konzerts im Huxleys Neue Welt in Berlin.

die woche darauf hatte ich wieder mal turnusmäßig ct und mrt in der radiologie vom vivantes und meinen ersten termin beim neuen onkologen zum ersten mal in meinem leben auf italienisch wenn man von dem termin bei der augenärztin im dezember 2024 absieht wo das erste mal das wort neurologie fiel war die besprechung mit dem italienischen onkologen ein novum in deutschland ein noch komischeres gefühl er fands auch komisch aber wir haben es durchgezogen er sagte mir gleich zu anfang dass er mein band t-shirt mag idles das hat sofort den grundton angegeben dann zeigte er mir die erste aufnahme von meinem hirn als ich vor 19 monaten aus italien zurückkam der tumor war so groß wie eine dicke olive aber das ödem außen rum hatte ungefähr die fläche von einem kleinen spülschwamm die aufnahme hatte ich noch nie gesehen und war total aufgewühlt ich hatte bis dahin nicht begriffen wie weit fortgeschritten das schon war dann sah ich die aufnahme von vorletzter woche alles was man sah war ein stecknadelgroßer punkt nachdem man reingezoomt hatte weil er so gar nicht sichtbar war das war eine krasse erleichterung gleichzeitig schwelt da so eine angst im hinterkopf herum also genau da wo vorher der tumor saß was wenn er bald wieder kommt falls das passiert oh weh mir

am wochenende zwischen ct und termin beim italonkologiker das der absolut krassen temperaturen weshalb vier von fünf zügen ausgefallen sind inklusive aller meiner flixtrains bin ich mit dem ice nach nrw gefahren am donnerstag zuerst zu j nach bielefeld wo ich seinen kleinen sohn kennenlernen durfte mit anderthalb jahren ist er mit dem roller im hof rumgefahren ha außergewöhnlich dachte ich mir und dann das haus das j mit seiner freundin c gekauft und monatelang komplett renoviert bzw umgebaut haben das haus ist der hammer gefällt mir zu hundert prozent trotzdem würde ich nicht dort leben weil ich schon in bielefeld nicht leben würde aber dann noch im vorort mit dem teutoburger wald dazwischen wäre mir persönlich zu weit ab vom schuss ich habe aber auch keine kinder daher weiß ich nicht wie ich denken würde wäre ich in seiner situation

am freitag ging es dann mit dem deutschlandticket weiter nach moers zu d einer alten schulfreundin von mir das letzte mal haben wir uns 1998 gesehen noch bevor ich nach amerika ging um in einem kleinen dorf in wisconsin deutsch zu unterrichten warum wir uns davor aus den augen verloren haben weiß ich nicht sie auch nicht über umwege hat sie schließlich von meiner erkrankung erfahren ist auf meinen blog gestoßen und hat ihn einige monate gelesen ehe sie sich getraut hat mir zu schreiben das wiedersehen war so herzlich wie damals ein komisches gefühl sich so lange nicht zu sehen aber schön komisch und nach kürzester zeit setzt man da an wo man aufgehört hat als wären nicht eben mal knapp dreißig jahre vergangen sie hat mir moers gezeigt eine tolle kleine großstadt (offiziell gilt in deutschland alles über 100000 als großstadt) ich mag den ruhrpott was es ist weiß ich mal wieder nicht aber was mir in südhessen immer gefehlt hat gefällt mir überall sonst ein fall für meine psychotherapeutin

erwähnenswert ist vielleicht noch mein 52. geburtstag ein paar freunde die nicht anderweitig beschäftigt waren kamen zum biergarten am café schönbrunn im volkspark friedrichshain wir verbrachten ein paar nette stunden mit lustigen anekdoten ehe uns die temperaturen nach hause trieben eigentlich hatten wir geplant ein wenig tischtennis zu spielen bei dem wind fiel das aber ins wasser der krönende abschluss war dass mein kumpel p seinen schlüssel verloren hatte bis zum nächsten morgen dann war die eisdiele wieder geöffnet wo man ihn abgegeben hatte friede freude eierkuchen

und dann gibt es noch die fußball-weltmeisterschaft auch wenn sie spielerisch natürlich hochwertiger ist als wahrscheinlich je zuvor will sich bei mir einfach nicht die richtige stimmung einstellen das macht mich ein wenig traurig ich habe seit 1982 jede gesehen und genossen aber dieses mal ist das maß voll die fifa ist ein elender fickerverein und die usa sind der passende austragungsort für diese ultrakommerzielle ausrichtung mir ist es peinlich von den kommerziellen trinkpausen von der dreißigmütigen halbzeitpause im finale nur um dem hurenbock trump gerecht zu werden und den fußball zum perversen show-spektakel verkommen zu lassen und dass man kanada und mexiko hinzugezogen hat macht es mitnichten besser sondern eher schlimmer die distanzen zwischen den austragungsorten die länge von sechs wochen zu viele spiele die merkwürdigen schiedsrichterentscheidungen die politische lage zwischen iran und den usa verderben mir definitiv die freude an dem werbepuff

so jetzt habe ich den heutigen beitrag wenigstens wieder wie früher in alter manier auf einer negativen note enden lassen

zum schluss noch eine polarisierende frage wer wird die meisten tore schießen

genießt den tag hier regnet es endlich mal

euer
lionel mancini 

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© Vic Mancini on Death Row
Maira Gall