Sonntagvormittag war ich in der Berliner Philharmonie bei Prokofjews Peter und der Wolf. Für die, die es nicht kennen. Es ist eine Komposition klassischer Musik für Kinder, bei der eine Geschichte vorgelesen wird und bestimmte Instrumente oder Instrumentengruppen entsprechen einer Figur in der Erzählung. Peter wird von den Streicher dargestellt, mit einer bestimmten Melodie. Dann gibt es eine Klarinette als Katze, eine Oboe als Ente, eine Flöte als Vogel, ein Fagott ist der Großvater und die Hörner sind der Wolf.
Die ganze Veranstaltung war natürlich für Kinder. Dementsprechend viele Kinder waren im Publikum. Störte mich nicht. Da ich das Stück als Kind sehr prägend fand, aber nie gesehen habe, wollte ich es mir keinesfalls entgehen lassen. Es war genauso schön, wie ich es in Erinnerung hatte, mit der Melodie der Streicher, die mir seit damals nie mehr aus dem Ohr gegangen ist.
Das Highlight war, dass Robert Habeck, der ehemalige Vizekanzler und Bundesminister der Grünen, die Geschichte vorgelesen hat, in Zusammenarbeit mit dem Kammerorchester der Berliner Philharmonie.
Dabei fiel mir auf, dass ich das Stück immer geliebt und gehasst habe. Geliebt, weil ich verstand, wie wichtig jedes Instrument ist und welche Funktion sie haben. Die Vielfalt liebte ich am klassischen Orchester.
Aber dann verstand ich auch, dass ich den Hass auf Etikette, Konvention und Tradition, der damit einhergeht, nie überwunden habe.
Dieses Dilemma ist so tief in mir verwurzelt, dass ich unterbewusst beschloss, einen Roman darüber zu schreiben. Daran arbeite ich seit vier Jahren. Die Geschichte von der italienischen Harfenistin ist mein Versuch, mich mit meinen Dämonen zu versöhnen. Mal sehen, ob es mir gelingt.
Auf dass die Ente lebend aus dem Wolf geborgen wird!
Euer
Victor Mancini

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