Freitag, 1. Mai 2026

500 Days In a New Life

Sonnenuntergang hinter kahlen Bäumen in einem weiten Park, eine einzelne Person geht über die Wiese, ruhige, kühle Stimmung. 

Hallo Leute!

Ich habe mich bewusst zurückgezogen, weil ich den Roman endlich fertigkriegen will. Das Schreiben des Blogs hat mir in meiner schlimmsten Phase sehr geholfen, vor allem bei meinem psychischen Leid. Aber es hat mich auch viel Zeit und Kraft gekostet, da ich mich ständig um mich kreise. Manchmal habe ich mich dadurch sogar daran gehindert, gesund zu werden.

Es wird noch lange dauern, bis der Roman fertig ist. Es bringt nichts, mich dermaßen unter Druck zu setzen. Er braucht so lange, wie er braucht. Ich habe keinen Druck außer dem, den ich mir selbst mache. Seit ich krank bin, habe ich im Grunde zwei Dinge gemacht. Ich habe den Roman in seiner Grundform zu Ende geschrieben. Ich habe es getan, weil ich dachte, mein Leben sei bald zu Ende. Das habe ich geschafft und abgeschlossen. Sollte ich morgen sterben, ist die Geschichte erzählt, und jemand von euch muss sich um die Veröffentlichung kümmern. Das zweite, viel anstrengendere, aber auch schönere Unterfangen ist das Überarbeiten der Geschichte. Ich möchte einen guten Roman schreiben. Einen, der so gut ist, dass ich wirklich zufrieden damit bin. Wenn er eines Tages im Regal bei Dussmann steht und Leser mir schreiben, weil sie sich mit der Protagonistin identifizieren konnten, dann habe ich das erreicht, was ich möchte. Dafür muss ich noch viel tun.

Der Roman ist so umfangreich, dass kein Verlag in Deutschland ihn so veröffentlichen wird. Wer kauft schon ein 650-Seiten-Buch von einem No-Name-Autor? Also habe ich beschlossen, ihn in zwei Teilen anzubieten. Ich hoffe, die Idee wird Anklang finden. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Was es sonst noch zu berichten gibt: Mir geht es gut. Heute vor genau 500 Tagen wurde meine Krankheit diagnostiziert. Seither habe ich ein neues Leben begonnen. Sozialfall, aber glücklich. Meine Zukunft ist ungewiss, aber meine Gegenwart, das Hier und Jetzt, lebe ich jeden Tag so, wie es geht. Nicht besser. Nicht schlechter.

Letztens sagte ich zu meiner Psychotherapeutin, dass ich zum ersten Mal wahre Zufriedenheit erfahren habe, als ich verstand, dass meine Tage limitiert sind. Die Krankheit ist ein neuer, bestimmender Faktor in meinem Leben. Dadurch entfiel der Druck der Zukunftsplanung. Ich suche nach keiner Partnerin mehr. Ich gehe keiner erwerbstätigen Arbeit mehr nach. Ich schreibe. Wenn es veröffentlicht wird, gut. Wenn nicht, dann habe ich Pech gehabt. Würde mich zwar kurz traurig machen, aber nicht wirklich etwas an meiner Zufriedenheit ändern. Ansonsten esse und schlafe ich wie jeder andere auch, koche, putze meine Wohnung, gehe laufen, spazieren, Rad fahren. Wenn es morgen nicht mehr geht, dann tue ich es nicht mehr.

Immer dann, wenn ich etwas für die Zukunft plane, sei es nur eine kurze Reise, empfinde ich Stress. Denn dann kommt auch immer die Frage auf, ob ich bis dahin noch da bin. Auch die Aufteilung des Romans in zwei Bücher bedeutet Stress. Aber letztlich erledigt sich das von allein. Wenn der erste Band erscheinen sollte und es genügend Leser:innen gibt, dann wird es auch eine Veröffentlichung der Fortsetzung geben. Druck entsteht dann, wenn man sein Leben an Ereignisse und Resultate knüpft, die in der Zukunft liegen. Das möchte ich nicht mehr. Natürlich wünsche ich mir, dass euch mein Buch gefällt. Aber wenn nicht, dann geht das Leben eben trotzdem weiter.

500 Tage. An jedem dieser Tage habe ich meine Morning Pages geschrieben. Seit 470 Tagen nehme ich brav meine Tablette. Nicht einmal habe ich es vergessen, weil es drastische Folgen haben könnte. Aber das ist meine einzige wirklich fundamentale Aufgabe. Nach all den Tagen habe ich meine Ernährung so weit unter Kontrolle, dass ich nur dann Beschwerden habe, wenn ich sie bewusst in Kauf nehme. Ich habe seit zweieinhalb Monaten keinen Alkohol mehr getrunken, weil ich gemerkt habe, dass er hauptsächlich für meine Wassereinlagerungen verantwortlich war. Das heißt nicht, dass ich nicht wieder mal trinken möchte und auch werde, aber eben dann, wenn es einen triftigen Grund gibt. Dann möchte ich einen Martini trinken, damit es sich lohnt. Und einen sitzen haben.

So, das war’s für heute. Ich melde mich wieder, sobald ich kann.

Euer
Victor Mancini

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Maira Gall